The Notwist im Heimathafen Neukölln

The Notwist im Heimathafen Neukölln

Mindestens zweimal die Woche fahre ich die Strecke Hamburg-Berlin. Wird die Zeit in Hamburg von Aktivitäten mit meiner Familie bestimmt, so bleibt in Berlin Zeit für andere Dinge. Das können Abende mit einem guten Buch sein, Verabredungen mit Kollegen oder Freunden zum Essen oder ein Kinobesuch eines Films, den meine Frau als „Den schaust du dir doch lieber allein an!“ kategorisiert.

Das die Pendelei und das Leben in zwei Städten irgendetwas damit zu tun hat, dass ich früher oder später an einem Ort mit dem Namen Heimathafen landen muss, kann ich nicht bestätigen, aber das Wortspiel ist einfach zu verlockend, gerade wenn man einen Blog betreibt der Spreefleet heißt.

So verschlägt es mich am vergangenem Mittwochabend in den Heimathafen Neukölln zu einem Konzert. Der traditionelle Saal des Heimathafens ist eher eine kleine Konzertstätte, im Sinne von angenehm, da überschaubar. Er ist Teil des Saalbau Neukölln, einem Kulturzentrum mit langer Tradition.

Auf Wikipedia findet sich ein kurzer Abriss seiner Geschichte:

Der Saalbau Neukölln ist eines der ältesten Kulturbauwerke Rixdorfs. Schon 1876 eröffnete auf diesem Grundstück ein Lokal, das zu den renommiertesten Kulturtstätten des gehobenen Rixdorfer Bürgertums zählte.
1878 fand hier die erste Rixdorfer Gewerbeausstellung statt. 1894 erhielt das Lokal die Bezeichnung „Bürgersäle“ und wurde weiter ausgebaut. Seit 1899 wurde hier Theater gespielt und 1904 entstand unter dem Mitbegründer der Volksbühnenbewegung und Mitglied des Friedrichshagener Dichterkreises Julius Türk, eines der ersten städtisch subventionierten Theater Preußens, das „Rixdorfer Stadttheater“ und um 1914 inszenierte hier Max Tilger.
Nach dem Ersten Weltkrieg pachtete die UFA den Saalbau und betrieb hier das Städtische Lichtspieltheater Neukölln. Im Zweiten Weltkrieg blieb der Saalbau geschlossen. 1953 wurde er renoviert und 1954 umgebaut und als Konzert-, Theater- und Filmsaal unter der Ägide des Kunstamtes Neukölln wiedereröffnet.
1968 fiel der Bau erneut in einen „Dornröschenschlaf“, um dann 1990 in seiner heutigen Form als Neuköllner Kulturstätte mit Theater- und Konzertsaal, Ausstellungsräumen und dem Café Rix wiedereröffnet zu werden. Seit dem 1. April 2009 bespielt das Volkstheater-Kollektiv Heimathafen Neukölln den Saalbau Neukölln.

In dieser historisch angehauchten Umgebung hatte ich die Gelegenheit, die geräuschvolle, verspielt avantgardistische Musik der aus Weilheim stammenden Band The Notwist zu hören.

Ist das Erscheinen des neuen Albums Close To The Glass Anlass, so spielen die Musiker um Markus und Micha Acher und Martin Gretschmann alias Console doch genügende Stücke ihrer früheren Veröffentlichungen. Und diese kommen mit härteren, an die frühe Phase der Band erinnernden Arrangements rüber, bei denen der Klangteppich schonmal – unterstützt von einer gelungenen Lightshow – zum Klanggewitter anschwillt.

Alles in allem also ein gelungener Abend, wenn man betrachtet, dass das Konzert seit Wochen ausverkauft ist und ich ohne eine Karte zu haben, hinfahre. Aber, um die maritimen Metapher noch einmal zu strapazieren, die Welle der Zuversicht lässt mich in den Heimathafen Neukölln einlaufen.

Ahoi!