Kneipe mit Schräglage: Die Oberhafen-Kantine

Oberhafen Kantine

Für alle Besucher des Hauses der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg (zurzeit Visual Leader, noch bis zum 13.10.2013) gibt es ein interessantes Kleinod zu entdecken, welches man im Epizentrum von Hauptbahnhof, der neuen Spiegel-Zentrale und dem Oberhafen wohlmöglich gar nicht vermutet, zumindest auch nicht so einfach findet.

Und dabei erreicht man es sogar zu Fuss, ein wenig unter einer Eisenbahnbrücke gelegen, über die alle 5 bis 10 Minuten ein Zug zum oder aus dem Hamburger Hauptbahnhof donnert.

Überquert man hinter den Deichtorhallen die Oberhafenbrücke, so findet man Hamburgs wortwörtlich schrägste Kneipe: die Oberhafen-Kantine. Das 1925 erbaute Gebäude befindet sich wie der Schiefe Turm von Pisa in einer Schräglage, verursacht durch diverse Sturmfluten und Unterspülungen.

1997 wegen akuter Einsturzgefahr geschlossen wurde es im Jahre 2000 unter Denkmalschutz gestellt und beherbergte seitdem eine interessante Betreiberschar: 2006 wurde die Oberhafen-Kantine nach 9 Jahren Pause von Christa Mälzer, der Mutter von Tim Mälzer, wiedereröffnet. Im Jahr 2007 wurde sie vom damaligen Artisan-Chef Thorsten Gillert übernommen, der sie bis Ende 2010 betrieb.

Seit Februar 2011 wird sie von den »Gastronomen aus Leidenschaft« –wie es auf der Website der Oberhafenkantine heißt – Tim Seidel und Sebastian Libbert betrieben. Seidel und Libbert sind keine Unbekannten in Hamburg, betreiben sie doch auch das Rialto auf der Fleetinsel.

Die Küche ist traditionell inspiriert und bietet zum Beispiel spätsommerlichen Salat mit hausgebeiztem Lachs und Senf-Honig-Dill-Sauce für 9,50 €, Oberhafen Hamburger mit Rotweinzwiebeln, Gewürzgurke, Speck und Spiegelei für 8,50 € oder auch eine Rauchfischplatte mit Bratkartoffeln, Salat, Brot und Butter für 14,50 €.

Als Nachtisch »Verschleiertes Bauernmädchen« für 5,80 € rundet das Erlebnis der, wie die Betreiber es ausdrücken, »traditionellen Hamburger Küche, einfach und ehrlich, nahrhaft und preiswert« ab.

Aber Achtung, da die Oberhafen Kantine ein Kleinod ist, sollte man mit mehr als zwei Personen auf jeden Fall einen Platz reservieren. Und noch ein Hinweis erscheint mir angebracht: dies ist kein Ort für eingefleischte Landratten: die Schräglage in der Oberhafen-Kantine verursacht bei dem einen oder anderen auch schon mal etwas Seekrankheit – da wäre es doch schade, um das schöne Essen!

Zur Website der Oberhafen Kantine.

 

Update, 23. Januar 2014: Wie mir Frank Eberle, Inhaber von VB:34, geschrieben hat, wurde die Oberhafen-Kantine beim Hochwasser des Sturmtiefs »Xaver« stark beschädigt. Dass es trotzdem weitergeht und wie man das Team unterstützen kann, erfährt man hier (Foto: Frank Eberle, VB:34):

Oberhafenkantine Mitteilung